DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

07-02-2022 19:01
SXEU31 DWAV 071800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 07.02.2022 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Dienstagfrüh und Dienstagvormittag im östlichen Mittelgebirgsraum und in
Ostbayern örtlich gefrierender Regen.
An der See und in Hochlagen mitunter stürmisch, auf exponierten Bergen anfangs
teils schwere Sturmböen.
Am Mittwoch teils ungewöhnlich mild!

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC
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Aktuell ... Der zum vergangenen Kaltluftvorstoß gehörende kräftige Höhentrog
schwenkt über Osteuropa weiter nach Osten und dehnt sich weiter nach Süden bis
Griechenland aus. Von den Britischen Inseln aus schwenkt der Höhenkeil des
Höhenhochs über der Biskaya nach Deutschland. Das zugehörige Bodenhoch wandert
nach Ostfrankreich und sein Keil dehnt sich nach Österreich aus. Auf der
Nordseite des Hochs verlagert sich die Warmfront des neuen Islandtiefs ´SARAI´
von West nach Ost über den Norden und die Mitte Deutschlands ostwärts. So kommt
es im Laufe der Nacht in den genannten Gebieten von Nordwest nach Südost zum
Aufzug mehrschichtiger Bewölkung und nur ganz im Süden bleibt es längere Zeit
gering bewölkt. Nachfolgend kann es besonders in der 2. Nachthälfte vor allem im
Norden leicht regnen oder es gibt Sprühregen. Da zuvor die Temperatur im
östlichen Mittelgebirgsraum in den Frostbereich geht, kann es dort leichten
gefrierenden Regen mit Glatteis geben. In den Frühstunden erreicht der
Niederschlag Nordbayern und das zentrale Sachsen. An der Vorderkante des
Niederschlagsgebietes kann es auch kurz etwas schneien. Im Westen und Nordwesten
bleibt die Temperatur positiv. Im Süden dagegen gibt es häufig leichten Frost
und stellenweise überfrierende Nässe.
Der Wind weht an der Küste in Böen steif bis stürmisch. Auf exponierten Bergen
gibt's teils schwere Sturmböen.

Dienstag ... verlagert sich das Höhenhoch nach Südfrankreich und das Bodenhoch
überdeckt das südlichen Mitteleuropa sowie das nahe Südwesteuropa. Nördlich
davon weitet sich die Frontalzone vom nahen Atlantik bis nach Südskandinavien
aus. Für uns bedeutet das eine weitere Zonalisierung der Höhenströmung, die aber
immer noch antizyklonal konturiert ist. Die Warmfront zieht rasch aus
Deutschland raus, die nachfolgende schleifende Kaltfront legt sich über den
äußersten Norden, ohne nennenswert nach Süden vorstoßen zu können
(strömungsparallele Ausrichtung). Insbesondere im Nordosten regnet es zeitweise
mit leichter Intensität (meist 0,5 bis 5 l/m² innerhalb 12 h). Im großen Rest
des Landes fällt nur wenig Regen/Nieselregen oder es bleibt gänzlich trocken.
Dabei nimmt die Wahrscheinlichkeit für Auflockerungen Richtung Südwesten und
Süden zu. Zwischen Südschwarzwald und Chiemgau scheint sogar für längere Zeit
die Sonne.

Der Südwest- bis Westwind frischt in der Nordhälfte mitunter stark böig auf mit
Böen 7 Bft, an der Küste sowie in Lee- in freien Berglagen 8 Bft, exponiert 9
Bft, Brocken 10 Bft. Am Nachmittag und Abend fächert der Gradient mit
Druckanstieg von Süden her allmählich auf und der Wind wird schwächer. Dank im
Tagesverlauf besserer Durchmischung steigt die Temperatur auf 7 bis 11 Grad bis
zum Spätnachmittag. Am Niederrhein sind sogar 12 Grad möglich. Im Südosten
bleibt es mit 5 oder 6 Grad kälter und im Bergland oberhalb von 700 m taut es
nur leicht bei 0 bis +4 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch verbleibt die Kaltfront über dem Norden und Nordosten,
wobei sie wahrscheinlich von einer flachen Welle durchlaufen wird. Jedenfalls
regnet es von der Nordsee bis hinüber zur Lausitz zeitweise ohne größere Mengen
(meist unter 5 l/m² innerhalb von 12 h). Zwar bleibt der südwestliche Wind in
der Nordhälfte am Leben, Böen 7 Bft sind aber die Ausnahme. Auf exponierten
Gipfeln bleibt es stürmisch, auf Brocken und Fichtelberg kann es schwere
Sturmböen geben.

Im Süden sorgt das Hoch in den tiefen Lagen für windschwache Verhältnisse und
größere Auflockerungen bzw. ganz im Süden für klare Verhältnisse. Die Folgen
sind zumindest über Schneeflächen leichter Frost und gebietsweise Nebel.

Mittwoch ... wandert die Höhenantizyklone zum Golf von Genua und überdeckt weite
Teile vom westlichen Mittelmeer und von Italien. Ein flacher Keil reicht bis
nach Süddeutschland. Das umfangreiche Bodenhoch überdeckt Südeuropa und reicht
mit über 1025 hPa bis nach Süddeutschland.

Den Norden beeinflusst die wellende Kaltfront, wobei aber hier bei starker
Bewölkung nur regional etwas Regen fällt (vor allem in einem Streifen vom
Emsland bis nach Vorpommern). Dabei liegen die 12stg. Regenmengen erneut
zwischen 0,5 und 5 mm.
Im Süden weitet sich der sonnige Bereich weiter nordwärts aus, sodass zum
Nachmittag und Abend weite Bereiche von Bayern und Baden-Württemberg die Sonne
(bzw. den Sonnenuntergang) genießen können.

Ungewöhnlich mild mit 11 bis 13 Grad ist es dabei südlich des Regengebietes im
südlichen Norddeutschland sowie in den Tiefen Lagen im Westen und auch am
Oberrhein. Im äußersten Norden, im Südosten und in der östlichen Mitte ist es
mit 7 bis 10 Grad meist etwas kühler. In den Mittelgebirgen verstärkt sich das
Tauwetter.

Der Südwestwind weht im Norden mäßig bis frisch mit steifen, exponiert mit
stürmischen Böen im Küstenumfeld. Auf exponierten Bergen gibt es weiterhin
Sturmböen (auf dem Brocken sogar Bft 10).
Südlich von Hunsrück und Taunus ist es in tiefen Lagen meist schwachwindig.

In der Nacht zum Donnerstag kommt die Kaltfront über Norddeutschland etwas nach
Süden voran und bringt von der Ems bis zur unteren Oder weitere leichte
Regenfälle (erneut nur 0,5 bis 5 mm). Ganz im Norden, also im nördlichen
Schleswig-Holstein, könnte die Bewölkung auflockern, so dass es bis nahe 0 Grad
abkühlt. Ansonsten ist es in der Nordhälfte bewölkt bei +2 bis +6 Grad. Etwa
südlich des Mains ist es teils gering bewölkt bei +1 bis -4 Grad, ganz im Süden
bei -4 bis -10 Grad.

Donnerstag ... verlagert sich das Höhenhoch bis Tagesende von Süditalien nach
Griechenland und sein flacher Keil vom östlichen Mitteleuropa nach Osteuropa.
Damit kommt der nächste kräftige Höhentrog vom Nordostatlantik mit seiner Achse
bis zur südlichen Nordsee und nach Nordwestfrankreich voran. Die sich im Vorfeld
befindliche Kaltfront schwenkt von Nordwestdeutschland und dem Ärmelkanal aus
nach Südosten und erreicht abends den Main, zum Tagesende etwa die Donau.
Entsprechend breiten sich die leichten Regenfälle bis zur Mitte aus und lassen
dafür im Nordwesten und Norden nach, wenn man mal von einzelnen Schauern im
Nordseeküstenbereich absieht. Nach Durchgang der Kaltfront können die
Niederschläge in den Mittelgebirgen oberhalb von 500 bis 600 m wieder in Schnee
übergehen, da die Temperaturen in 850 hPa postfrontal auf -2 bis -6 Grad
absinken.
Die Temperaturen erreichen meist nur noch 6 bis 9 Grad, im Bergland oberhalb von
600 m +1 bis +5 Grad.

Der Wind frischt zwar bei Kaltfrontdurchgang auf, bringt aber meist nur Böen Bft
5 bis 6. An der See sind aber weiter Böen Bft 7 bis 8 angesagt, auf exponierten
Bergen können Sturmböen auftreten.


Modellvergleich und -einschätzung
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Die externen Modelle simulieren recht ähnlich.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden